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Geschichte der Ballonfahrt

Es begann sechs Jahre vor Ausbruch der Französischen Revolution



Wir schreiben das Jahr 1783.Nachdem die Brüder Jaques Etienne und Joseph Michel Montgolfier am 4. Juni in Annonay südlich von Lyon mit Papier aus der väterlichen Manufaktur und mit Leinwand eine Hülle gebastelt und mit heißem Rauch gefüllt hatten und zusahen, wie sie in die Luft entschwebte, erbrachten sie im September desselben Jahres den von Ludwig XVI und seiner Gattin Marie Antoinette beobachteten Beweis, dass ein Aufenthalt in der Luft Leben nicht gefährdet, in dem sie ein Schaf, eine Ente und einen Hahn mit ihrem seither Montgolfiere genannten Gefährt aufsteigen ließen; alle drei Kreaturen kehrten wohlbehalten zur Erde zurück. Weil der Begriff „Fahrt“ Fahrgäste voraussetzt, schlägt die Geburtsstunde der eigentlichen Ballonfahrt am 21. November. An diesem Tag nämlich bestehen zwei Wagemutige, der Naturkundeprofessor Pilatré de Rozier und der Infanterieoffizier Marquis d´Arlandes, als erste Menschen das Abenteuer einer solchen Luftreise. Das weltweit beachtete Ereignis ist auch in der Schweiz wichtig genug, um auf der Frontseite der „Zürcher Zeitung“ (der Vorgänger der heutigen NZZ) vom 3. Dezember 1783 gemeldet zu werden. Der Text, in dem die Brüder seltsamerweise keine Erwähnung finden lautet wie folgt:

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Paris, den 25. Novemb. Den 21sten dieses Monats als am Freytag ist ein ganz neues und vortreffliches Experiment mit der aerostatischen Maschine angestellt worden. Der Marquis von Arlandes, und der bekannte Herr Pilatre du Rozier wagten es, eine Maschine zu besteigen, die ihrem eigenen Fluge überlassen ward, und sich darauf ins unermessliche Gebieth der Luft zu begeben. Die Maschine war 70. Fuss hoch und hat 46. im Durchschnitt. Sie enthielt 60,000 Kubikfuss Luft, und konnte ein Gewicht von 1600. bis 1700. Pfund tragen. Die unerschrockenen Reisenden wurden wenigstens dreytausend Fuss in die Luft gehoben. Es gelang ihnen, die Maschine zu lenken. Sie fuhren über Steine, unter der Barriere de la Konference zwischen der Ecole Militaire und dem Hotel der Invaliden hinweg. Sie liessen die Maschine in einem Felde jenseits Paris nieder, und hatten einen Weg von 4. bis 5000. Toisen, über eine deutsche Meile zurückgelegt. Die Reise währte 20. bis 25. Minuten. Sie hätten noch Materialien zu einer zweymal so grossen Reise gehabt. Auch empfanden sie auf ihrer Luftfahrt nicht die geringste Unbequemlichkeit.

Der zurückgelegte „Weg von 4-5000 Toisen“ (1Toise=1,949 m) entspricht rund 8 bis 9 km. Mit seiner Aussage allerdings, es sei den Passagieren gelungen, „die Maschine zu lenken“, dürfte der Berichterstatter einer Prahlerei zum Opfer gefallen sein. Aerostaten, wie man Ballone seit ihrer Frühzeit auch zu nennen pflegt, sind so wenig lenkbar wie selbst die modernsten Ballone, die ebenfalls auf Gedeih und Verderb den Luftströmungen, also dem Wind, ausgeliefert sind. Mehr oder weniger gut sind Auf- und Abstieg eines Ballons „steuerbar“. Und ein schneller Wiederaufstieg bei einer drohenden zu frühen Landung war für die Montgolfiere, deren Luft mit Stroh als Brennstoff erhitzt wurde, ein kaum zu lösendes Problem. Einem Gasballon gelang dies aber dank Überbordwerfen von mitgeführtem Ballast bedeutend schneller und dadurch wirkungsvoller, weshalb Heißluftgeräte bis zu ihrer Renaissance nach dem zweiten Weltkrieg fast ganz in Vergessenheit gerieten. Das bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts der Gasballon das aeronautische Feld beherrschte, verdankt er einer Erfindung, die – man höre und staune! – ebenfalls auf das Jahr 1783 zurückgeht. Denn damals gelang wiederum einem Franzosen, dem Physiker Jaques Alexander César Charles, und abermals in Paris der Aufstieg eines mit Wasserstoff gefüllten Ballons. Die Charliere hatte der Montgolfiere den Rang abgelaufen, bis zu einem

Nostalgischer Zwischenakt
Es mögen nostalgische Beweggründe gewesen sein, die dann und wann abenteuerlich gesinnte Ballonfahrer dazu bewogen haben, die Idee der Brüder Montgolfier weiter zu entwickeln. Vom Fleck kamen sie dabei nicht. Als Beispiel sei hier lediglich das Experiment eines Östereicher erwähnt, der in den dreissiger Jahren eine Gasballonhülle in einen Petrol oder Rohöl beheizten Heißluftballon umbaute, mit dem auch drei Schweizer Piloten versuchsweise aufstiegen. Und der letzte dieser Waghälse hat seine Testfahrt Jahre später wie folgt geschildert::

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Er habe den Ballon gefüllt und sei aufgestiegen. Das Wechseln der Flamme sei, solange der Ballon nicht in Bodennähe fuhr, kein besonderes Problem gewesen. Immerhin seien dazu zwei Personen, der Pilot und sein Gehilfe, notwendig gewesen. Im Korb habe ein Petrolfässchen vor sich hingestunken, daneben habe ein Motor eine kleine Pumpe angetrieben, die das Petrol durch die Düse im Brenner zerstäubte. Das so entstandene brennbare Gemisch heizte das Innere der Hülle auf. Geriet der Ballonins nicht vorhergesehene Sinken, brauchte man eine höhere Temperatur, also eine grössere Flamme, die ihrerseits eine andere Düse erforderte. Zum Düsenwechsel musste indessen der Motor zwecks Verminderung des Druckes abgeschaltet werden. Das bedeutete, dass kein Petrol zerstäubt wurde, die Flamme also erlosch. Was sie natürlich nicht sollte, weshalb sie der zweite Mann im Korb mittels einer an einer langen Stange befestigten Lunte übernehmen musste.

Quelle: Kurt Rünzi – Abenteuer Heißluftballon – Verlag Jordi AG-Das Medienhaus Belp 1. Auflage September 2001




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